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Dienstag, September 12, 2017
Swiss Alp-Uhr von H. Moser & Cie. Aktie
Mit der neuen, auf lediglich 50 Stück limitierten Swiss Alp Watch hat der Schweizer Traditionshersteller H. Moser & Cie. einen Gegenentwurf zur Apple Smartwatch gelandet – und zwar im unerwarteten Sinne. Die Uhr ähnelt rein äußerlich zwar dem Apple-Produkt, anders als diese oder etwa die TAG Heuer Connected funktioniert sie jedoch zu 100% mechanisch. Mit im Gepäck sind zwar kaum mechanische Zusatzfunktionen, dafür führt man mit dem Purismus einer mechanischen Dreizeigeruhr den elektromagnetischen Smartphone-Trend ad absurdum – ein Seitenhieb gegen die Könige der medienwirksamen Inszenierung.
Apple Designanleihe mit analoger Zeitanzeige
Anders als bei der Apple-Uhr wird die Uhrzeit der Swiss Alp Watch nicht digital, sondern mithilfe von analogen Zeigern angezeigt und ist damit wohl als mechanische Antwort auf die Premium-Variante der Apple Smartwatch gedacht. Beide verfügen über ein 18-Karat-Gehäuse und schenken sich auch preislich nicht allzu viel – zumindest weniger als man vermuten würde. Während die teuerste Apple-Uhr mit EUR 18.000,- gelistet ist, kostet die Swiss Alp Watch EUR 23.190,-. Äußerlich sind die Apple-Watch-Anleihen unverkennbar: Das Gehäuse-Design entspricht fast eins zu eins dem Apple-Entwurf, jedoch ist die Uhr in ihren Abmessungen (44 mal 38 mm) um 2 Millimeter länger und breiter als die größere der beiden Apple-Watch-Varianten. Das atemberaubende, in grauen Farbtönen verlaufende Fumé-Zifferblatt ist Markenzeichen von H. Moser & Cie. Gleichzeitig bringt das nach innen hin heller werdende Finish eine Nostalgie auf den Punkt, die sich als zeitlose Antwort auf ein modernes Lifestyle-Produkt versteht. Wem die Marke H. Moser & Cie. weniger geläufig ist, den erinnert dieser spezielle Farbverlauf möglicherweise an die 60er Jahre Spezimatic der Glashütter Uhrenbetriebe, heute Glashütte Original, und der aktuellen Sixties-Iconic-Kollektion des deutschen Premium-Herstellers.
Anti-Funktionalismus als Statement
Natürlich verfügt die Swiss Alp Watch nicht über all die Zusatzfunktionen einer Apple-Uhr. Die Schritte muss man immer noch selber zählen. Um den Ruhepuls zu messen, muss man immer noch selbst die Hand auf die Halsschlagader legen (und kann dabei eine zusätzliche mechanische Uhr mit Pulsometer-Skala zur Hilfe nehmen). Immerhin, eine Zusatzfunktion gibt es doch: Mit einer Gangreserve verfügt auch die Swiss Alp Watch über eine Anzeige der verbleibenden Laufzeit innerhalb eines Ladezyklus – auch wenn die Energie an dessen Ende nicht elektromagnetisch, sondern manuell zugeführt wird. Man braucht natürlich nicht ernsthaft Vergleiche hinsichtlich des Funktionalismus bemühen. Die Swiss Alp Watch überzeugt mit dem Purismus einer auf die Zeitanzeige beschränkten, handgefertigten Uhr. Während nur schwer zu erahnen ist, was mit den meisten der verkauften Apple Watches passiert, sobald die verwendete Technik nicht mehr State of the Art ist, wird die Schweizer Interpretation einer High-End-Armbanduhr Generationen überdauern.
Bloßer Marketing-Coup oder Konkurrenz für Apple?
So aufsehenerregend die Veröffentlichung der Swiss Alp Watch auch ist, ist sie doch gleichzeitig mehr als ein bloßer Marketing-Gag. Man gibt damit unmissverständlich zu verstehen, dass man als unabhängiger Uhrenhersteller keinerlei Smartphone-Zugeständnisse plant und spricht damit sicherlich auch im Namen anderer kleiner Uhrenmanufakturen. Gleichzeitig kann die Uhr aus der Sicht von allen, denen das Apple-Design gefällt, eine echte Alternative zur Gold-Variante der Apple Watch sein. Im Vergleich zu dieser bietet H. Moser & Cie. mit der vollständig inhouse gefertigten Swiss Alp Watch aus unserer Sicht eindeutig mehr fürs Geld. Gut möglich auch, dass es sich beim teureren Quasi-Replikat letztendlich um die Uhr mit der positiveren Wertentwicklung handelt.
Wenn es um fliegende Sanduhren und lange Wiesen geht, dann ist der Uhrenhersteller Longines im Spiel. Doch nicht alle Mythen, die sich um die Schweizer Traditionsmarke aus dem Swatch-Imperium ranken, werden der tatsächlichen Faktenlage gerecht. Hier sind sie: unsere Top 6 Irrglauben in Zusammenhang mit Longines.
Mythos 1: Longines ist der älteste heute noch produzierende Uhrenhersteller der Welt.
Longines wurde bereits im Jahr 1893 als Marke registriert und damit als geistiges Eigentum geschützt. Damit ist Longines die älteste eingetragene Uhrenmarke der Welt. Der nachweislich älteste Uhrenhersteller ist man damit jedoch nicht: Blancpain wurde im Jahr 1735 gegründet, jedoch wurde die Produktion zeitweilig eingestellt, ehe auf Initiative von Jean-Claude Biver die Produktion wieder aufgenommen wurde. Der älteste bis heute ohne nennenswerte Unterbrechung produzierende Uhrenhersteller ist im Übrigen Vacheron Constantin, dessen Uhrenproduktion im Jahr 1755 aufgenommen wurde.
Mythos 2: Charles Lindbergh trug eine Longines Stundenwinkeluhr bei seinem Flug über den Atlantik.
Nicht zuletzt, da im Jahr 1987 zum 60-jährigen Jubiläum des Atlantikfluges von Charles Lindbergh eine eigene Sonderedition der Stundenwinkeluhr aufgelegt wurde, wird das Modell häufig mit dem berühmtesten aller einmotorigen Soloflüge in Verbindung gebracht. Tatsächlich wurde die Toolwatch zur vereinfachten Ortsbestimmung jedoch erst im Jahr 1932 – und damit fünf Jahre nach dem historischen Flug über den großen Teich – vorgestellt. In Kooperation zwischen Lindbergh und Longines entwickelt, erleichterte sie daraufhin die Längengradbestimmung bei Langstreckenflügen.
Mythos 3: Omega war der bisher einzige Zeitmesser bei Neuzeit-Olympia.
Omega war bisher nicht der einzige Zeitmesser bei Olympia. Nicht zuletzt aufgrund seines Renommees als Hersteller hochwertiger Präzisionszeitmesser wurde auch schon Longines mit der offiziellen Zeitnehmung betraut. So war man bereits bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit im Jahr 1896 mit von der Partie und auch 1940 sollte man man über Sieg und Niederlage entscheiden, ehe die Spiele aufgrund der geopolitischen Situation letztlich nicht stattfinden konnten. Weitere olympische Ehren folgten dennoch: Das nächste Mal im Jahr 1952 und anschließend gemeinsam mit anderen Uhrenmarken in den Jahren 1968 (Omega) und 1972 (Junghans) teilte man sich die Rechte als offizieller Ausstatter. Damals nicht unüblich, ist dies heute aufgrund der Vergabe von Exklusivrechten bei den meisten großen Sportwettkämpfen undenkbar. Auch selbst sorgte man im Übrigen ein ums andere Mal für Gold-Medaillen bei den bedeutendsten Präzisions- und Innovationswettkämpfen jener Zeit – etwa bei der Weltausstellung in Paris im Jahr 1879.
Mythos 4: Mit dem Kronen-Logo hat Rolex für das erste Markenemblem der Uhrengeschichte gesorgt.
Sehr früh hat Hans Wilsdorf die Bedeutung eines Logos für die Wiedererkennung einer Marke erkannt und deshalb das berühmte Kronen-Symbol entworfen. Oft wird angenommen, dass jenes von Rolex damit das erste Markenemblem eines Uhrenherstellers war. Obwohl man sich in Zusammenhang mit Uhrenlogos häufig auf Wilsdorf bezieht und deshalb auch oft das Rolex-Logo für das älteste Uhrenemblem der Welt gehalten wird, wurde jenes von Longines bereits im Jahr 1893 eingetragen und damit deutlich früher entworfen als jenes von Rolex: Damit bildet die geflügelte Sanduhr den Grundentwurf für das möglicherweise älteste Uhrenlogo der Welt.
Mythos 5: Longines-Uhren waren die ersten industriell gefertigten Zeitmesser.
Ernest Francillons, Neffe des Gründers Auguste Agassiz, öffnete im Jahr 1867 die Pforten für die wohl weltweit erste Uhrenfabrik, in die sämtliche Produktionsschritte integriert wurden und in einem einzigen Gebäude vonstatten gingen. Die ersten nach vorher genau festgelegten Arbeitsschritten und nach industriellem Maßstab gefertigten Uhren gehen jedoch auf den Beginn des 19. Jahrhunderts zurück und werden nicht notwendigerweise mit Longines in Zusammenhang gebracht.
Mythos 6: Die Marke Longines wurde nach ihrem Gründer benannt.
Da Longines für lange Zeit ein Familienbetrieb war, wird häufig vermutet, dass der Markenname auf den Namen des Gründers verweist. Tatsächlich entstammt der Name der von Ernest Francillon aufgebauten Uhrenfabrik Les Longines – ein Ausdruck, der dem regionalen Dialekt entstammt und so viel bedeutet wie lange Wiesen.
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